Montag, 12. September 2011

doktorarbeit schreiben 5

Das Ziel, die Doktorarbeit zu »managen«, wird Ihnen vielleicht son­derbar oder gar befremdlich vorkommen. Es wirkt prosaisch, viel zu rational und technisch. Es steht im Widerspruch zu der verbreiteten Meinung, man müsse sich zuerst sehr gründlich in die Wissenschaft vertiefen und unvoreingenommen bereit sein, etwas Neues zu entde­cken, was man gar nicht vorhersehen kann. Skeptiker werden fragen: Lässt sich ein solches Projekt »managen«? Muss man nicht ins Unge­wisse aufbrechen und den gänzlich offenen Fragen folgen? Aber gerade in solchen Vorstellungen liegt die Tücke. Man läuft dadurch Gefahr, dass das Vorhaben aus dem Ruder gerät und man letztendlich sein Ziel nicht erreicht, sondern trotz aller Anstrengung auf der Strecke bleibt. Nur allzu viele Promotionsprojekte werden erfolglos abgebrochen. Das können Sie vermeiden, indem Sie von Anfang an mit planender Ver­nunft an das Projekt herangehen. Statt sich naiv-optimistischer Entde­ckerlaune hinzugeben, sollten Sie bestrebt sein, sich möglichst frühzei­tig Klarheit über Ihre Ziele zu verschaffen und sich an zweckrationalen Kriterien zu orientieren.
Wie man dabei vorgeht, zeigt Ihnen dieses Kapitel. Es wird zunächst auf den Umgang mit Zeit eingehen, der für viele Doktoranden eine große Problemquelle ist. Sie selbst sollen dadurch lernen, derartige Probleme zu vermeiden oder zu überwinden.
Anschließend wird deutlich werden, wie wichtig ein rationales Pro­jektmanagement ist. Sie werden zunächst einen klärenden Überblick über die notwendigen Phasen des Projekts vermittelt bekommen. Wei­terhin wird auf wichtige Projektbedingungen eingegangen, nämlich auf die Finanzierung Ihrer Promotionsphase und die Organisation der Betreuung durch Erst- und Zweitgutachter.
Anschließend lernen Sie die Prinzipien von Zeitmanagement und realistischer Arbeitsplanung kennen. Diese bilden den Mittelpunkt des Kapitels. Sie werden lernen, Arbeitszeit als eine wertvolle und begrenzte Ressource zu betrachten, mit der man zweckrational umgehen sollte. Anhand verschiedener Empfehlungen sollen Sie anschließend in der Lage sein, Pläne aufzustellen, die Sie auch tatsächlich erfüllen können.
Ihre Aufmerksamkeit wird darauf gelenkt, verbindliche Arbeitsziele zu stecken, die von außen kontrolliert werden, und auf nützliche und verwertbare Ergebnisse hinzuarbeiten.

Eine Doktorarbeit zu verfassen, ist ein sehr zeitaufwändiges Unterneh­men. Insbesondere die Doktoranden selbst unterschätzen dies häufig.
An ihrem Umgang mit Zeit fällt Folgendes auf:
     Doktoranden verwenden sehr viel Zeit auf ihre Dissertation. Meist sind sie über viele Jahre hinweg mit ihr beschäftigt.
     Sie gehen verschwenderisch mit ihrer Zeit um. Sie halten sich viel zu lange mit einzelnen Tätigkeiten wie zum Beispiel der Literatursuche und dem Lesen auf.
     Sie investieren zu viel Zeit in Nebensächlichkeiten und formale Details.

Eine konkrete Projektplanung ist Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss eines Projekts, aber sie ist nicht alles. Es bedarf auch eines guten Projektmanagements. Diese Aufgabe scheint manche Doktoranden zu überfordern. Zum einen ist das Projekt in der Regel sehr umfangreich und arbeitsintensiv, zugleich aber nur ein Ein-Mann- beziehungsweise Eine-Frau-Projekt. Zum anderen ist der Doktorand in Personalunion Projektleiter beziehungsweise -manager, Projektbearbeiter und sein eige­ner Controller, das heißt derjenige, der das Erreichen der Ziele überwacht und Abweichungen verhindert beziehungsweise korrigiert. In seiner Füh­rungsrolle muss der Doktorand also zugleich selbst darauf achten, dass er schonend mit seinen Fähigkeiten und Ressourcen umgeht.
Der Großteil der Promovierenden, nämlich etwa zwei Drittel, finanziert sich, wie eine Thesis-Befragung von 2004 ermittelte, über Plan- oder Drittmittelstellen an der Universität oder in Forschungsinstituten. Nur etwa 20 Prozent beziehen ein Stipendium. Einen ausführlichen Über­blick über Finanzierungsmöglichkeiten der Promotion bietet der Artikel von Carsten Würmann im GEW-Handbuch (2006). Hier sollen nur die wesentlichen Informationen dazu kurz und knapp dargestellt werden.
Vergessen Sie über all den Zielen und Ansprüchen, die das Promotions­projekt nahelegt, nicht die eigenen persönlichen Ziele, die Sie mit der Promotion verbinden!
Vielleicht ist bei Ihnen nach der langen Studienzeit und den ersten Berufsjahren der Wunsch stark geworden, endlich ein Kind zu haben. Und Sie möchten die Chance eines Promotionsstipendiums auch dafür nutzen, sich den nötigen Freiraum für die Familiengründung zu schaf­fen. Sie werden die Dissertation dann vielleicht als eine zwar wichtige, aber nicht unbedingt zentrale Aufgabe Ihres Lebens betrachten.
Nach langen Berufsjahren ist bei Ihnen vielleicht das Interesse erwacht, aus dem Berufsalltag auszusteigen und sich einer Aufgabe, die mehr Tiefgang verspricht, als es die Praxis zulässt, zuzuwenden. Die Beschäftigung mit dem Thema ist dann vielleicht für Sie wichtiger als die Fertigstellung der Dissertation.
In manchen Fällen ist die Aufnahme einer Promotion auch nur als Überbriickungslösung gedacht, zum Beispiel dann, wenn sich nach dem abgeschlossenen Studium noch keine Aussicht auf eine attraktive Stelle bietet und deshalb die Promotion auch als Erwerb einer (inhalt­lichen oder auch nur formalen) zusätzlichen Qualifikation angesehen wird.
Bei Studienabsolventen, deren Eltern einen akademischen Abschluss oder gar einen Doktorgrad haben, liegt der Gedanke an das Promovieren sehr nahe und es wird von ihnen gar nicht mehr ernsthaft geprüft, ob er tatsächlich den eigenen Zielen entspricht.
In manchen Berufsfeldern erscheint es einfach als ein »Muss«, den Doktorgrad zu erwerben - so zum Beispiel den Chemikern, die damit ihre Karrierechancen in der Industrie verbessern wollen oder auch den Medizinern. Das macht jedoch das Ziel nicht automatisch zu einem eige­nen Anliegen!
In Kapitel eins wurde Ihnen empfohlen, Ihre Motivation daraufhin zu prüfen, ob sie den Anforderungen und Beschwernissen des Promo­tionsprojekts gewachsen ist. Hier möchte ich Ihren Blick darauf lenken, dass aus den ganz persönlichen Zielsetzungen auch bestimmte Erwar- tungen und Ansprüche resultieren: Ansprüche bezüglich der Dauer des Projekts und/oder auch Qualitätsansprüche. Diese sollten Sie sich bewusst machen!
Für die Dissertation als Überbrückungslösung muss man nicht unbe­dingt mit vollem Einsatz »sein Bestes geben«, aber man könnte sinn­vollerweise auch ein realisierbares Arbeitsprodukt anstreben - wie zum Beispiel ein erstes Literaturreferat.
Mit ähnlichem Anspruch könnte sich die werdende Mutter in ein Themengebiet einarbeiten, wobei es ihr nicht auf das Einhalten des durch das Stipendium vorgegebenen Zeitrahmens ankommt, sondern auf die Weiterbeschäftigung mit der Wissenschaft.                                                                          i
Für den promovierenden Chemiker, der seine Karrierechancen in der Industrie verbessern will, wird es sinnvoll sein, ein Thema zu wählen, das ihn für ein bestimmtes Tätigkeitsfeld qualifiziert, ihn aber auch kurz­fristig zum Erfolg führt.
Für diejenigen, die in der Promotion die Herausforderung sehen, einen wesentlichen Teil ihres Selbstbildes zu verwirklichen, wird der Arbeits- prozess vermutlich zu großem Engagement und hohem Anspruchsni­veau führen. Sie sollten auf jeden Fall darauf achten, ob sie nicht andere wichtige Lebensziele vernachlässigen.
Wenn es andererseits nur darum geht, den Doktortitel als weiteren akademischen Grad ohne explizite wissenschaftliche Ambitionen zu erwerben, dann tut man gut daran, die Ansprüche auf mittlere und gut zu erreichende Maßstäbe zu richten.
Auf die Phase der Literaturauswertung möchte ich ebenfalls nur kurz eingehen. Vermutlich haben Sie bereits Ihre eigene Lesemethode, auf die Sie schwören. Wenn Sie damit gut zurechtkommen, sollten Sie sie auch beibehalten. Aber nach meinen Erfahrungen erliegen Doktoranden sehr häufig der Gefahr, dass sie viel zu viel lesen und sich viel zu lange mit die­ser Phase aufhalten. Manche verlieren sich beim Lesen in der Breite der Fachliteratur und vergessen dabei ihre Themenstellung. Das Auswerten der Literatur und das Schreiben kommen darüber olt zu kurz.

doktorarbeit schreiben 4


Die geschilderten Arbeitsbedingungen und Betreuungsformen eines Gra­duiertenkollegs lassen eine hohe Zufriedenheit der Teilnehmer erwarten. Aber wie sieht es »von innen« aus? Ich habe dazu einige Stipendiaten eines DFG-geförderten Graduiertenkollegs in den Geisteswissenschaften an der Freien Universität Berlin interviewt. Wenn diese Befragung auch nicht repräsentativ ist, so vermittelt sie doch einige Hinweise.
Als großer Vorteil des Promovierens im Graduiertenkolleg wird über­einstimmend der Austausch mit den anderen Mitgliedern angesehen, der auf den verschiedenen Plattformen stattfindet. Als besonders hilfreich wird der Austausch mit den Kollegen Doktoranden, den Leidensgenos­sen, erlebt. Ein verbindendes Gemeinschaftsgefühl ermöglicht auch das Reden über Schwierigkeiten mit der Diss.
Als anregend und gewinnbringend wird im Wesentlichen die wissen­schaftliche Kommunikation bewertet, die in den Kernveranstaltungen des Kollegs stattfindet. Dazu gehören insbesondere das Forschungskol­loquium, in dem alle am Projekt beteiligten Professoren vertreten sind, Seminare, Master Classes und Joint Symposia mit externen Kooperations­partnern. Im Kolleg genießt man den Vorteil, in einem »Forschungsver­bund mit hochkarätigen Leuten« zu arbeiten, wie ein Doktorand es aus­drückte.
Auch wenn die Bedingungen eines Graduiertenkollegs für die wissen­schaftliche Kommunikation und den Austausch mit Leidensgenossen im Vergleich zum Modell der Einzelpromotion wesentlich günstiger sind, bleibt die Arbeit an der eigenen Diss doch dem Einzelnen über­lassen und spielt sich über weite Strecken notwendigerweise »im stillen Kämmerlein« mit dem PC als einzigem Interaktionspartner ab. Kolle­giaten werden deshalb auch ganz ähnliche Schwierigkeiten wie die ande­ren Doktoranden erleben, wenn sie an ihrem eigenen Forschungsansatz arbeiten. Allerdings wirken sich in stärkerem Maße Korrektive auf ihren Arbeitsprozess aus.
Die Einbindungder Kollegiaten in das gemeinsame Forschungsprojekt und die damit verbundene wissenschaftliche Kommunikation stellt ste­tige Anforderungen an ihre Mitarbeit und integriert sie schon in einem frühen Stadium ihres Arbeitsprozesses in die Scientific Community. Das konfrontiert sie von Beginn an mit den konkreten Ansprüchen und Kriterien von Wissenschaft und fordert sie heraus, sich mit ihren eige­nen Ideen dem Urteil der Experten zu stellen. Diese Bedingung fördert den direkten Kontakt mit der Realität der Wissenschaft und verhindert vielleicht auch manche im Alleingang getroffenen Fehlentscheidungen und eingeschlagenen Irrwege. Sie schafft aber auch einen stärkeren Leis­tungsdruck, der den Freiraum für individuelle Kreativität einschränkt. Wie aus meiner Befragung der Kollegiaten hervorging, trägt die vom gemeinsamen Forschungsprojekt geforderte »Mehrarbeit« nicht immer zum stringenten Fortschritt der einzelnen Dissertation bei. Das mag denen widerstreben, die sich voll auf die Arbeit an ihrem Thema kon­zentrieren wollen.
Vorteilhaft für den Entwicklungsprozess der Einzelnen erscheint aber die selbstverständliche und wiederholte Forderung, den eigenen Beitrag zum Projekt offenzulegen, denn sie verlangt von den Promovie­renden, ihre inneren Kämpfe mit Selbstansprüchen und Selbstzweifeln zu bewältigen und ihre narzisstische Empfindlichkeit gegenüber der Kritik von außen zu überwinden. Das gemeinsame Forschungsprojekt müsste auch den Kontakt zum Hauptbetreuer und zu den anderen mit­beteiligten Wissenschaftlern erleichtern und dadurch die Feedback­möglichkeiten erweitern. Das scheint jedoch nicht in allen Kollegs zu gelingen, denn wie die eben zitierte DFG-Befragung von Kollegiaten zeigt, bleiben manche Wünsche der Doktoranden nach intensiverer Betreuung unerfüllt. Die günstige Konstellation, im Forschungsprojekt unter mehreren Ansprechpartnern wählen zu können, könnte sich neut­ralisierend aufdie tendenziell konflikthaltige Beziehungzu Doktorvater und Doktormutter auswirken, da sie ein Gegengewicht zur machtvollen Autorität des Einzelbetreuers schafft und die Bindung an seine Person lockert. Insgesamt erscheinen die Bedingungen eines Graduiertenkol­legs im Vergleich zur Einzelpromotion vielleicht auch besser geeignet, den Prozess der Ablösung und Emanzipation von der Autoritätsperson des Doktorvaters oder der Doktormutter zu begünstigen.
Falls Sie sich mit dem Gedanken tragen, sich für ein Graduiertenkolleg zu bewerben, sollten Sie zuvor gut überlegen, ob die vorgesehenen Struktu­ren Ihnen persönlich das Promovieren tatsächlich erleichtern. Stellen Sie fest, ob die Bedingungen eines Graduiertenkollegs Ihren Vorstellungen und Bedürfnissen entsprechen. Wenn Ihnen der fachliche Austausch mit Kollegen und Experten und die Einbindung in einen Projektrahmen sehr wichtig sind, dann sind Sie vermutlich auch bereit, dafür Zeit und Arbeit zu investieren. Wenn Sie aber dazu neigen, am liebsten ohne bestimmte Anforderungen von außen allein an Ihrem Thema zu arbeiten und für gelegentliche Kontakte zum Austausch selbst zu sorgen, dann sind Sie sicherlich nicht prädestiniert für ein Kolleg dieses Zuschnitts. Prüfen Sie, welches der möglichen Modelle des Promovierens zu Ihnen passt.

Wie die vorangegangenen Ausführungen deutlich gemacht haben, stellt das Promovieren hohe Anforderungen an die Bewältigungsfähigkeiten von Doktoranden. Wenn außerdem noch besondere Pflichten und Auf­gaben hinzukommen, dann sind Sie erst recht gefordert, Organisations­talente und Fähigkeiten zum Selbstmanagement zu entwickeln. Nicht jeder ist bereit, an das Motto »Man wächst mit seinen Aufgaben« zu glauben. Deshalb gilt es, gut zu überlegen, ob man sich auf das entspre­chende Wagnis einlässt! Eine besondere Herausforderung ist das Promo­vieren mit Kind.

doktorarbeit schreiben 3


Berufssituation und Gelderwerb von Doktoranden können ganz unter­schiedlich aussehen. Eine feste Stelle im Bereich von Forschung und Lehre - entweder an einer Hochschule oder in einem Forschungsinsti­tut - bietet die günstigsten Voraussetzungen zum Promovieren. Etwa die Hälfte aller Doktoranden finanzieren sich auf diese Weise. Sie beziehen aus ihrer Tätigkeit als angestellte Wissenschaftler berufliche Identität und soziales Ansehen. Diese Anerkennung erstreckt sich sekundär auch auf ihren Doktorandenstatus, denn sie befinden sich damit zwar noch im Stadium der Entwicklung und Weiterqualifizierung, aber ihre Arbeit an der Diss wird als Teil der regulären beruflichen Aufgabe gesehen.
Anders sieht es bei den Doktoranden aus, die ein Promotionssti­pendium beziehen. Sie sind sozusagen »hauptamtlich« Doktoran­den, also Lernende, die sich in der Vorbereitung auf die Prüfung zum Doktor (wortwörtlich: Lehrer) befinden. Dass ihnen ein Stipendium gewährt wurde, bedeutet allerdings schon eine gewisse Anerkennung für ihre Arbeit an der Dissertation - schließlich hat eine angesehene Institution das Promotionsvorhaben geprüft und als förderungswür- dig befunden!
Stipendiaten, die zum Beispiel ein vom jeweiligen Bundesland geför­dertes Stipendium wie das Nafög in Berlin oder das einer Stiftung zur Begabtenförderung beziehen, sind zwar ebenso wie Wissenschaftliche Mitarbeiter noch auf dem Wege zum »fertigen« Wissenschaftler, ste­cken aber stärker als diese in einem Zwischenstadium von Ausbildung und Entwicklung und sind damit dem Status von Studierenden näher. Sie stehen sozusagen mit einem Bein da und mit dem anderen dort, denn in manchen Funktionen treten sie auch als »vollwertige« und selbst­verantwortliche Wissenschaftler und Dozenten auf, zum Beispiel dann, wenn sie einen Lehrauftrag übernommen haben oder wissenschaftliche Vorträge halten.

Abgesehen von den - auf Zeit - fest angestellten Wissenschaftlichen Assistenten leben die meisten Doktoranden in ziemlich bescheidenen Verhältnissen. Sie gehören zu den einkommensschwachen Gruppen. Ihr Lebensstandard ist entsprechend eingeschränkt und fällt gegenüber dem Durchschnitt ihrer Altersgruppe erheblich ab. Sie können sich viele Statussymbole wie zum Beispiel Auto, Eigentumswohnung, kostspielige Hobbys und teure Urlaubsreisen nicht leisten. Sie leben in ihrem fort­geschrittenen Alter noch immer in ganz ähnlichen materiellen Verhält­nissen wie Studierende und setzen häufig auch den sozialen Lebensstil der Studentenzeit fort, beispielsweise das Wohnen in der offenen Form der Wohngemeinschaft. Viele der Doktoranden, mit denen ich gespro­chen habe, hatten das Gefühl, dass sie mit ihrem niedrigen Einkommen einen hohen Preis für ihre Entscheidung zahlten.
Über das Gesagte hinaus gilt für alle Doktoranden gleichermaßen, dass ihre berufliche Zukunft noch völlig ungesichert ist. Ob die Promotion ihnen die Tür zu einer erfolgreichen Karriere öffnen wird, ist ungewiss. Im Gegensatz zu früher ist der Doktorgrad heutzutage durchaus keine Garantie mehr für eine gehobene berufliche Laufbahn. Entsprechend tragen die Zukunftsaussichten nur wenig dazu bei, den Doktoranden in seinem Identitäts- und Selbstwertgefühl zu bestärken.
Auch die Solidarität und Identifikation mit Gleichgesinnten bringt wenig Bestätigung ein. Weder in der Universität noch außerhalb in der Gesellschaft treten Doktoranden als Status- oder gar Interessengruppe in Erscheinung. Das mag im Rahmen von Graduiertenkollegs, Inter­national Max Planck Research Schools und vielleicht auch in Graduier­tennetzwerken schon anders sein. Der Großteil der Doktoranden führt immer noch ein Schattendasein. Allerdings finden die Probleme der Pro­movierenden in der aktuellen hochschulpolitischen Diskussion zuneh­mend Beachtung. Der Verein »Thesis« wie auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft haben damit begonnen, sich der Interessen von Promovierenden anzunehmen.
Das bisher Gesagte macht deutlich, dass die Bedingungen alles andere als günstig dafür sind, vor der Gesellschaft, aber auch in der eigenen Einschätzung gut dazustehen. Überspitzt formuliert könnte man fol­gern: Doktoranden müssen verrückt sein, wenn sie sich auf eine solche Lebenssituation einlassen. Offenbar gibt es aber doch einen Anreiz, der stark genug ist, um sämtliche Nachteile aufzuwiegen. Die meisten Doktoranden stellen ihre Doktorarbeit so sehr in den Mittelpunkt ihres Lebens, dass die anderen Aufgaben des Erwachsenenlebens daneben an Bedeutung verlieren. Lebensziele wie Familiengründung, Existenzsi­cherung und gesellschaftliche Integration rücken in die Zukunft. Wer noch nicht in einer festen Beziehung lebt, verschiebt oft sogar die Part­nersuche oder die Entscheidung darüber, ob er eine Bindung eingeht, auf später und bleibt vorerst Single oder legt bestehende Beziehungen auf Eis.
Irgendwann kommt es dann jedoch zu dem Wendepunkt, den Janine beschreibt - nämlich dann, wenn man als Doktorand zu begreifen beginnt, dass der Doktorvater einem gar nicht so haushoch überlegen ist, wie man angenommen hatte; wenn man merkt, dass man selbst auf dem betreffenden Gebiet über größeres oder zumindest gleichwertiges Wissen verfügt.
Wenn man sich dessen bewusst wird, dass man die eigene Kompe­tenz inzwischen erheblich erweitert hat, setzt der Prozess der Emanzi­pation ein. Sein Ziel ist Autonomie und eigenständige Positionierung. In manchen Beziehungen führt der weitere Weg dorthin allerdings zu heftigen Konflikten, denn so mancher Doktorvater erweist sich durchaus nicht als kluger und verständnisvoller Vater, sondern ver­sucht, seine Machtposition zu behaupten, indem er seine Autorität ausspielt.
Es fällt sehr schwer, sich aus der Bindung an eine mächtige Elternfigur zu lösen und Ablehnung zu riskieren, wenn das Selbstbewusstsein von Zweifeln erschüttert ist und man nach wie vor das Bedürfnis nach Aner­kennung hat. Immerhin handelt es sich beim Doktorvater ja auch um ein Vorbild, dem man nacheifert. Die Identifikation mit der überlegenen Autoritätsfigur macht es umso schwerer, den eigenen Weg zu gehen und sich selbst zum Doktor zu emanzipieren.
In der Vergangenheit wurde in Deutschland fast ausschließlich promo­viert nach dem Modell der Einzelbetreuung eines Doktoranden durch Doktorvater oder Doktormutter als Hauptgutachter, ergänzt durch einen Zweitgutachter, der in der Regel weniger betreut als begutachtet. Nachteile und Mängel dieser traditionellen Doktorandenbetreuung in Deutschland gerieten zunehmend in die Kritik von bildungs- und hoch­schulpolitischen Debatten. Im Zusammenhang mit den Bestrebungen nach einer Vereinheitlichung der Hochschulausbildung im europäischen Raum, dem sogenannten Bologna-Prozess, der zur Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen führte, wurde die Phase des Pro­movierens als dritte Phase der Hochschulausbildung gesehen und neu bewertet: Sie spielte plötzlich eine Rolle im Zusammenhang mit der För­derung der deutschen Wissenschaft im internationalen Wettbewerb, ins­besondere der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Eliteförderung. Vorbildlich erschienen die Modelle strukturierter Pro­motionsausbildung wie sie im angloamerikanischen Raum an den Gra- duate Schools anzutreffen sind: Neben einer intensiven Betreuung durch Hochschullehrer ist darin für die Doktoranden auch ein verbindliches Curriculum vorgesehen. Seit den neunziger Jahren entwickelten sich in der deutschen Hochschullandschaft an den Universitäten recht unter­schiedliche Ansätze strukturierten Promovierens. Die unterschiedlichen Kooperationsbeziehungen zwischen Hochschule, Forschungsinstitu­tionen - wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) - und den diversen Förderorganisationen führten zu Initiativen von verschiedenen Seiten und zu verschiedenartigen Angeboten von Graduiertenausbildung und -betreuung. So können Doktoranden sich heute mit ihrer Promo- tion in den Rahmen eines gemeinsamen Forschungsprojekts mit anderen Doktoranden und Hochschullehrern einbinden und dabei ein verbind­liches Weiterbildungsprogramm absolvieren. Oder sie können sich auch mit ihrer einzelnen Forschungsarbeit einem an der Hochschule einge­richteten offenen Netzwerk zuordnen, das die Kommunikation zwischen Doktoranden über Fachbereichsgrenzen hinaus erleichtern will und ein fakultatives Kursangebot bereitstellt. Damit könnte dem Einzelkämpfer- tum des Doktoranden ein Ende bereitet sein. Aber es stellt sich die Frage, ob damit auch die geschilderten Probleme von Doktoranden beseitigt sind. Hier zunächst zur besseren Orientierung ein kleiner Uberblick über die verschiedenen Modelle (vgl. Kehm 2006). Ausführlichere Beschrei­bungen dazu finden sich zum Beispiel im GEW-Handbuch Promovieren mit Perspektive (2006).

doktorarbeit schreiben 3


Fragen wir zunächst, was andere Doktoranden dazu bewogen hat, sich für eine Doktorarbeit zu entscheiden. Die folgenden Beispiele stammen aus Interviews, die ich mit Doktoranden durchgeführt habe. Sie spiegeln die unterschiedlichen Motivationslagen und deren Vielschichtigkeit viel besser wider als
Wenn der erste Schritt getan und die Arbeit ernsthaft im Gange ist, dann müssen die Doktoranden sich auf weiten Strecken als Einzelkämpfer durchschlagen. Sie verbringen einen Großteil der Arbeitszeit allein am Schreibtisch - die meisten zu Hause im »stillen Kämmerlein« oder am Schreibtisch des Instituts, in dem sie beschäftigt sind -, denn die geistige Arbeit erfordert Ruhe und Abgeschiedenheit.
Diejenigen, die ihre Dissertation durch ein Stipendium finanzieren, sind dabei häufig ganz auf sich gestellt. Wer nicht in ein Projekt und eine Institution eingebunden ist, arbeitet als Einzel- und Heimarbeiter und entbehrt dabei die Vorzüge von Teamarbeit, Beziehungen mit Kollegen und informeller Kommunikation über die Arbeit.
Die angestellten Wissenschaftlichen Assistenten haben zwar mehr Möglichkeiten zur Kooperation und zum Austausch mit Kollegen - worum sie von anderen Doktoranden häufig beneidet werden -.«aber über das Thema ihrer Doktorarbeit wird ebenfalls nur selten gesprochen. Meist stehen ganz andere Institutsprojekte im Vordergrund.
Regelmäßige Kontakte mit dem Betreuer der Arbeit, dem Doktor­vater, sind eher die Ausnahme als die Regel. Meist muss der Dokto­rand schon selber die Initiative dazu ergreifen. Auch das Vorstellen der Arbeit im Doktoranden-Kolloquium oder in einem Hauptseminar ist ein seltenes, punktuelles Ereignis und entsprechend außerordentlich bedeutsam. Von diesen wenigen Gelegenheiten abgesehen, kommen die meisten Doktoranden kaum in den Genuss von positivem Feedback. Ihr Bedürfnis nach Anerkennung und Austausch mit Kollegen bleibt unbe­friedigt.

Doktoranden werden oft von anderen, die im gleichen Alter schon im Berufsleben stehen, um ihre Chance zur freien Zeiteinteilung benei­det. Sie können ihren Arbeitsalltag selbst organisieren und nach ihren Bedürfnissen gestalten - fast so locker wie im Studentenleben. Häufig sind Doktoranden damit jedoch überfordert, ebenso wie übrigens auch viele Studenten. Die Zeit läuft ihnen davon, sie schaffen nicht das, was sie sich vorgenommen haben, und geraten in die Versuchung, Dinge auf die lange Bank zu schieben. Das spannungsreiche Verhältnis zur Dissertation trägt mit dazu bei, dass sich leicht innere Barrieren gegenüber der Arbeit aufbauen: Man misst ihr einen derartigen Stellenwert bei und schraubt die eigenen Ansprüche so hoch, dass man sich dadurch selbst blockiert.
Eine andere Gefahrenquelle liegt darin, dass die Arbeitszeit nicht von außen geregelt und kontrolliert wird und es weder Vorgesetzte noch Kol­legen gibt, die merken würden, wenn man sich vor der Arbeit drückt. Man muss darum schon ein gehöriges Maß an Selbstdisziplin und -Orga­nisation aufbringen, um die Sache nicht schleifen zu lassen.
Gut geplante und klar strukturierte Arbeiten sind die ganz große Ausnahme. Die meisten Promotionsvorhaben gleichen vielmehr monst­rösen Riesenprojekten, bei denen kein Ende abzusehen ist. Entsprechend scheut man eher ängstlich davor zurück, die Sache beherzt anzupacken. Der immense Umfang des Gesamtwerks und die Tatsache, dass man in jeder Arbeitsphase nur einen verschwindend geringen Anteil davon bewältigen kann, geben einem das frustrierende Gefühl, dass man noch endlos weit vom Ziel entfernt ist und nur in winzigen Schritten vorwärts kommt. Ertolgserlebnisse stellen sich dadurch kaum ein.
Doktoranden leiden deshalb häufig unter dem Gefühl, nicht genü­gend geschafft zu haben. Um ihr ständiges schlechtes Gewissen zu beru­higen, stürzen sie sich häufig noch spätabends in die Arbeit und gönnen sich auch am Wochenende keine Freizeit. Sie stehen ständig unter inne­rem Leistungsdruck und haben kaum je das Gefühl, ihre Freizeit richtig genießen zu dürfen. Nur wenigen gelingt es, ihre Arbeit systematisch zu planen und einen geregelten Arbeitsalltag zu organisieren. Den meisten fehlt es dafür an Zeitsouveränität, das heißt an der Fähigkeit, mit ihrer Zeit selbstbestimmt umzugehen.

doktorarbeit schreiben 2


Was bringt Menschen mit erfolgreichem Hochschulabschluss dazu, sich auf eine Doktorarbeit einzulassen und sich einem weiteren Examen zu stellen? Ist es die Aussicht auf den Glanz des akademischen Titels vor dem Namen? Oder die Hoffnung, sich selbst auf diese Weise eine wissenschaft­liche oder sonstige berufliche Karriere zu eröffnen? Oder gibt es vielleicht noch ganz andere Motive? Das Interesse an der Sache selbst oder vielleicht ganz persönliche Beweggründe, wie beispielsweise den Drang, sich selbst zu beweisen, dass man zu Größerem fähig ist? Es lohnt sich, diese Motive einmal in den Blick zu nehmen, denn man muss bedenken, dass das Pro­movieren in Wirklichkeit alles andere als eine »Beförderung« ist - was es im ursprünglichen Wortsinn bedeutet. Im Gegenteil, das Projekt Dok­torarbeit verlangt dem Doktoranden eine Menge ab. Außer der nötigen intellektuellen Kompetenz sind auch ein hoher Arbeitseinsatz und große Ausdauer erforderlich, denn eine Doktorarbeit zu schreiben, ist mitunter ganz schön langwierig und mühsam. Man muss gewaltige Kräfte auf sie verwenden und ihr ein beträchtliches Stück Lebenszeit widmen!
Der Weg des Promovierens ist für die meisten Doktoranden offen und unbestimmt - der eigenen Gestaltung überlassen. Anders ist es bei der strukturierten Promotion, die seit einigen Jahren mit reformerischer Ziel­setzung zunehmend Eingang in die Hochschulen findet: Zu größeren, meist interdisziplinären, von der DFG geförderten Forschungsprojekten werden an den Hochschulen sogenannte Graduiertenkollegs gebildet, die für die daran beteiligten Promovierenden ein festes Programm von Ver­anstaltungen und Kooperationsbeziehungen vorsehen. (Am Ende dieses Kapitels wird ausführlicher darüber berichtet.) Der Anteil der Dokto­randen, die gegenwärtig in solch strukturierten Ausbildungsgängen stu­dieren und forschen, macht jedoch einen relativ geringen Anteil an der Gesamtzahl der Promovierenden aus. Die überwiegende Mehrzahl ist also darauf angewiesen, den Weg zum Doktortitel selbst zu gestalten.
Die Promotionsordnung, die Sie auf jeden Fall gut kennen sollten, legt lediglich die Zulassungsvoraussetzungen und die Form der Prüfung fest. Die Ausgestaltung - das heißt, wie Sie Ihr Projekt fachlich angehen und organisieren - liegt ganz bei Ihnen. Manchmal beginnt man zu glauben, man müsse erst einen Pfad durch einen Dschungel schlagen, bevor die Expedition ins unbekannte Reich der Wissenschaft beginnen kann. Und am Ende des Dickichts steht vielleicht eine kleine Erleuchtung - das Licht der Erkenntnis -, aber kein großer Sieg. Da erwartet Sie niemand, um Sie mit der Eintrittskarte in eine wissenschaftliche Karriere zu belohnen. Ob Sie Ihre sonstigen beruflichen Chancen damit verbessern, ist ungewiss. Aber schließlich verlangt auch niemand von Ihnen, dass Sie promovieren. Die Entscheidung liegt ganz bei Ihnen. Warum sollten Sie es also tun? Wolür lohnt es sich, seine Kräfte auf eine Doktorarbeit zu konzentrieren?

Doktorarbeit schreiben 1


Schauen wir uns zunächst die Arbeits- und Lebenssituation von Dokto­randen an. Wenn Sie sich rechtzeitig in diese Lage hineindenken, kön­nen Sie im Voraus abschätzen, was möglicherweise auf Sie zukommt, wenn Sie sich zu einer Promotion entschließen. Falls Sie bereits an Ilirer Dissertation arbeiten, werden Sie nach der Lektüre vielleicht besser ver­stehen, warum Sie manchmal so sehr unter Ihrer Situation leiden und warum das Arbeiten Ihnen zeitweise so schwer fällt. Hoffentlich gewin­nen Sie außerdem eine Menge neuer Anhaltspunkte, wie Sie manche Klippen umschiffen und Defizite kompensieren können.
Zuerst gilt es, nach den Motiven zu fragen, mit denen Doktoranden sich einer Promotion zuwenden. Wenn Sie wissen, welche Art von Moti­vation für die Arbeit erforderlich und günstig ist, können Sie Ihre eigene Motivation daraufhin prüfen.
Anschließend gilt das Augenmerk der Arbeitssituation des Dokto­randen. Sie erscheint vielen zunächst sehr verlockend, weil sie die Frei­heit bietet, sich die Zeit selbst einzuteilen und sich völlig den eigenen wissenschaftlichen Interessen zu widmen. Die Kehrseite ist jedoch, dass man allein und ganz auf sich gestellt am Schreibtisch arbeitet und wenige Möglichkeiten hat, sich mit anderen auszutauschen. Manche Doktoran­den verlieren sich dabei in Selbstzweifeln, Ängsten und Unsicherheit. Ihnen fehlt das aufmunternde Feedback und die konstruktive Kritik von Kollegen sowie die intensive Anleitung und Unterstützung durch ihren Betreuer.
Viele fühlen sich damit überfordert, ihre Arbeitsmotivation ohne fremde Hilfe aufrechtzuerhalten und die häufigen Schwankungen des
Sclbstwertgefühls auszugleichen. Der einzige Ausweg für sie besteht darin, sich aktiv Unterstützung zu suchen, indem sie sich um Kontakte und Kooperation bemühen.
Abgesehen von dem langwierigen Arbeitsprozess der Promotion ist aber auch der Lebensabschnitt an sich belastend. Der Doktorand macht in dieser Phase einen psychosozialen Entwicklungsprozess durch, der hohe Anforderungen an ihn stellt und ihn zwingt, seine Identität zu überdenken. Deshalb wird auch die soziale Rolle von Dok­toranden betrachtet und die Frage gestellt, wie sie ihr Identitäts- und Selbstwertgefühl festigen. Durch die Promotion rücken traditionelle Rollenmuster wie Familiengründung, berufliche Festlegung und gesellschaftliche Etablierung meist in die Zukunft. Die Doktoran­den bleiben zunächst darauf angewiesen, sich ihre Identität in dieser vorübergehenden Phase individuell selbst zu schaffen. Die beruflichen Tätigkeiten, die ihnen offenstehen, bringen relativ wenig oder nur widersprüchlichen Statusgewinn ein: der gering entlohnte Dozent, der Doktorand mit einfachen oder wechselnden Jobs, der noch in Ausbildung befindliche Wissenschaftliche Assistent auf Zeit. Was der Doktorand inzwischen in Bezug auf seine Arbeit an der Diss leistet, ist für Außenstehende schwer einzuschätzen und wird daher auch kaum angemessen gewürdigt.
Die Analyse wird deutlich machen, dass Doktoranden trotz mangeln­der gesellschaftlicher Anerkennung ein klares und starkes Identitäts- .gefiihl besitzen, das sich auf den Wert ihrer wissenschaftlichen Arbeit und die damit verbundene schöpferische Leistung stützt. Persönlicher Ehrgeiz, starke Gefühle und hohe Ansprüche an sich selbst prägen das Verhältnis des Doktoranden zu seiner Diss. Daraus kann leicht ein Wechselbad der Gefühle entstehen - von euphorischen Höhenflügen bis zu bedrohlichen Selbstzweifeln. Gerade weil ihr Selbstwertgefühl so instabil ist, scheuen Doktoranden sich oft davor, ihre Arbeitsergebnisse zu präsentieren, und schieben diesen Schritt immer wieder hinaus.
Abschließend wird die Beziehung zum Doktorvater beziehungsweise der Doktormutter in den Brennpunkt gerückt. Sie gestaltet sich in der Regel nicht konfliktfrei. Es wird erörtert, wie man sich aus der Abhän­gigkeit vom Urteil dieser Autoritätsfigur emanzipieren kann, um einen eigenen wissenschaftlichen Standpunkt zu beziehen.

Samstag, 10. September 2011

RESEARCHING AND WRITING A DISSERTATION


Here is a description of the progress of an average project using these dimensions.
At the start, students are confused about what they are going to study for the project and how they are going to do it. In the first phase, thinking about choice of topic and what approach to research is going to be adopted leads to finding out about possible topics and investigating the range of research methods available. The combination of these activities increases students' confidence, but not hugely. They are still a little fazed at the end of this first phase but they should have a clearer idea of what they want to research, why it is important and how they are going to do it.
The next phase involves searching for books, academic papers and other materials that are relevant to the project, so quite a lot of energy at the early part of this phase goes into finding out what resources are available. Although finding materials is satisfying, there is a tendency to think that the information they contain can be transferred into one's brain by some osmotic process that does not involve actually reading the stuff. This stage, of course, involves reading the material, making notes on it and thinking about it. In particular the various theories and frameworks drawn from the literature need to be criticised and evaluated to see which are academi­cally robust enough to be used in your project. The reading and thinking normally mean that students have increased confidence in their project by the end of this phase.
As a result of their increasing confidence, students feel ready to move into the next phase, which is developing a conceptual framework. This is a 'map' that draws together the concepts that the students will use to guide their research and that suggests how they are related. Conceptual frame­works are normally modifications and developments of models and theories found in the literature. When a conceptual framework is decided upon it gives a great boost to students' confidence. They feel in control of their project because they can see where it is going. However, once it is drafted, and they think about the framework some more, little doubts and worries creep in and the confidence begins to seep away. Then it is time to get into the next stage - of doing the research work.
Some thinking is needed at the start of the research phase of the project. Students have to decide in detail how they are going to conduct the research and organise the practical aspects of, for instance, conducting interviews or focus groups, identifying people to send questionnaires to and so on. But the bulk of this stage is about finding out. When students start to collect their research results it often boosts their confidence as they conclude that they will have enough material to write their dissertation.
After a heap of research material has been collected it then remains to make sense of it - to interpret it. This can be a daunting task and initially there can be an increase in confusion as students think about what the material means. But some hard thinking and interrogation of the research material usually result in students finding out more about their topic. The interpretation stage involves choosing an interpretive grid that will, most likely, be developed from the conceptual framework that was developed during an earlier stage of the project.

In the final stage the students formulate their arguments arising from all their work and shape them into a written dissertation. The process there­fore moves away from 'finding out' towards 'thinking' - although it is interesting to note that students often only find out what they mean when they start writing up the project. If all goes well, by the time they have fin­ished writing up the students will have confidence in their project and their dissertation.

 
Bowen, W.G. and Rudenstine, N.L. (1992) In pursuit of the PhD, Princeton, NJ: Princeton University Press.
Brause, R.S. (1997) "What are the effects of completing a dissertation?" Paper presented at the annual meeting of the Eastern Educational Research Association, Hilton Head Island, SC, February.
Brause, R.S. and Mayher, J.S. (eds.) (1991) Search and re-search: What the inquiring teacher needs to know, London: Falmer.
Brown, D. (1997) "Tales of a thesis writer," The Harvard Crimson, March 5, 2.
Fahrenthold, D.A. (1997) "Facing the faculty: Steven Ozment brings history home," Harvard Crimson, February 7, 3.
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